„Sport mit Courage – gegen Rechtsextremismus!“

2. Regionalforum der SportRegion zusammen mit dem LandesSportBund

30.5.2018 | Haus der Region

Sport mit Courage

Für die Stärkung demokratischer Kulturen in unseren Sportvereinen

Auf der vom LSB Niedersachsen unterstützten Veranstaltung der SportRegion Hannover am 30.05.2018 folgten etwa 40 Interessierte dem Impulsreferat von Gerd Bücker, Deutsche Sportjugend, und Patrick Neumann, LSB Niedersachsen, zu Rechtextremismus in Niedersachsen und den Anknüpfungspunkten für die Vereinsarbeit. „Wir sind uns bewusst, dass die Thematik den Vereinen nicht gerade unter den Nägeln brennt, halten es aber als Sportorganisation für wichtig, präventiv zu informieren und zu sensibilisieren. Unter dem Motto „Vereine stark machen“ wollen wir für die Sicherung demokratische Strukturen in den Sportvereinen werben“, führt Patrick Neumann aus.

"Wir wollen die Vereine darin unterstützen, ein Barometer für die Thematik zu entwickeln."

SSB-Vizepräsident Wolf Kohlstedt

“Gerade in Zeiten, in denen das ehrenamtliche Engagement in unseren Vereinen nachlässt, ist es wichtig, dass Zeichen von Rechtsextremismus rechtzeitig erkannt werden, damit unser Sport nicht durch dieses Gedankengut zerstört wird.“

Ulf Meldau, 1. stellvertretender RSB-Vorsitzende

In den beiden wahlweise besuchten Workshops ging es um den Umgang mit Alltagsparolen und die neuen Erscheinungsformen rechter Strömungen. Frank Ziemann vom Verfassungsschutz erläuterte, dass die rechte Szene aktuell weniger offensichtlich daherkommt als in der Vergangenheit. Die „Alte Rechte“ sei für die heutige Jugend nicht mehr attraktiv. Neue Erscheinungsformen wie die „Identitäre Bewegung“ entwickelten sich. Diese „Neue Rechte“ bestehend aus vorrangig „sympathischen“ jungen Intellektuellen, versuche im Hier und Jetzt über  Stilmittel der Jugendkultur wie Musik, Bilder, Parolen und „coole“ Aktionen, ihre Ideologie zu verbreiten.

Im Workshop mit Frank Koch vom Landes-Demokratiezentrum wurde herausgearbeitet, wo einem im Alltag und im Sport rassistische und fremdenfeindliche Aussagen begegnen und wie man darauf reagiert. „Ich erachte es als wichtig, die eigene Haltung zu überprüfen und sich nicht provozieren zu lassen“, sagte er. Sachlich Gegenbeispiele anzuführen und nicht Missionieren zu wollen, könne auch anderen Gesprächsbeteiligten Orientierung geben.

Abschließend betonte Patrick Neumann, dass das Potenzial der Vereine als sozialer Heimat und Ort gemeinschaftlicher Erlebnisse darin läge, ganz offensichtlich demokratische Werte zu vermitteln. Er empfiehlt beispielsweise klare demokratische Grundregeln in der Satzung zu verankern und öffentlich zu machen. Bewährt habe sich auch  ein mit den Mitgliedern und Übungsleitern ausgearbeiteter Verhaltenskodex zu Umgangsformen und Werten. Ganz wichtig dabei sei das Grenzen Setzen und Ahnden nachweisbarer Verstöße. Bei Problemen stehe der LSB mit einem breiten Unterstützungsangebot bereit.

Impressionen

Patrick Neumann Referent im Team Grundsatzfragen vom LSB war als Mitausrichter auch wieder vor Ort.

Wolf Dietmar Kohlstedt (Vizepräsident Stadtsportbund) und Ulf Meldau (1. stellv. RSB-Vorsitzender) luden auch dieses Jahr als Vertreter der SportRegion alle interessierten Vereinsvertreter zum Austausch und zur Weiterbildung ein.

Informierte über neue Erscheinungsformen aus der rechtsextremen Szene: Frank Ziemann vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport / Verfassungsschutzabteilung.

Sport mit Courage

Für die Stärkung demokratischer Kulturen in unseren Sportvereinen

Sport löst Begeisterung aus, fördert Gemeinsamkeiten und vermittelt wichtige gesellschaftliche Werte. Sport kann Generationen und Kulturen verbinden. Unsere Sportvereine erfüllen neben vielen wichtigen Aufgaben vor allem auch eine integrative Funktion. Sie bieten ihren Mitgliedern eine soziale Heimat, Möglichkeiten der Teilnahme und der Mitgestaltung. Zugleich sind Sportvereine ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und somit ist auch der Sport nicht vor problematischen Phänomenen wie Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gefeit. Zuweilen missbrauchen Rechtsextremisten die Strukturen des Sports als Plattform für die Verbreitung ihres Gedankenguts. Sie engagieren sich in unterschiedlichster Form und Funktion im Sportverein und versuchen Einfluss zu nehmen. Rassistische Parolen werden hinter vorgehaltener Hand und zunehmend auch ganz offen geäußert.

Umso wichtiger ist es, dass Sportvereine sich rechtzeitig und präventiv vor den Versuchen rechtsextremer Einflussnahme schützen und entsprechenden Entwicklungen in ihrem Umfeld frühzeitig entgegenwirken. Die Veranstaltung gibt hierzu Einblicke in die heutige rechtsextremistische Szene. Es werden grundlegende Handlungsmöglichkeiten für Sportvereine aufgezeigt und Unterstützungsangebote benannt.

Zielgruppe

Die Veranstaltung, richtet sich in erster Linie an Vertreterinnen und Vertreter von Sportvereinen und Sportverbänden, Übungsleiterinnen und Übungsleiter sowie Betreuerinnen und Betreuer von Kindern und Jugendlichen. Interessierte Personen aus anderen Bereichen sind ebenfalls willkommen.

Flyer zur Veranstaltung

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Workshop 1:

Rechtsextremismus in Niedersachsen: Alte Ideologie und neue Erscheinungsformen?

Frank Ziemann, Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport / Verfassungsschutzabteilung

Gemeinsam werden die Ideologieelemente des Rechtsextremismus und aktuelle Erscheinungsformen der rechtsextremistischen Szene besprochen. Wie tritt Rechtsextremismus in Erscheinung und ist er (immer) offen erkennbar?

Neben stereotypischen Erscheinungsformen der „Alten Rechten“ werden schwerpunktmäßig neuere Erscheinungsformen aufgezeigt, wie die Identitäre Bewegung.

Dies erfolgt adressatenorientiert anhand aktueller Videobeispiele, da sich auch (Rechts-) Extremisten regelmäßig dieses Mediums bedienen.

Workshop 2:

Argumentationstraining gegen Alltagsparolen

Frank Koch, Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen

Rassistische Aussagen in der Straßenbahn, im Sportverein oder beim Familienfest? Jeder kennt diese Situationen, in denen man sich manchmal unsicher fühlt.

Im Seminar wollen wir uns vorurteilsbeladene, menschenfeindliche Argumentationsstrategien anschauen, Kommunikationslinien hinterfragen und Handlungsstrategien entwickeln. Ziel ist es, durch verschiedene Methoden und Beispiele, die Handlungssicherheit für den privaten und beruflichen Alltag zu stärken.

Markt der Möglichkeiten

Ausschlussklausel

Die Veranstalter behalten sich vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremistischen Organisationen oder Gruppierungen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Hintergrund

Sport löst Begeisterung aus und verbindet Menschen, die sonst nur wenig miteinander zu tun haben. Sport kann neben vielen anderen positiven Auswirkungen vor allem auch eine wichtige integrative Funktion erfüllen, Sportvereine bieten ihren Mitgliedern eine soziale Heimat.

Zugleich sind Sportvereine ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und somit ist der Sport leider auch nicht vor problematischen und sogar gefährlichen Phänomenen wie Ausgrenzung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gefeit. Nachweisbar werden die Strukturen des Sports zuweilen von Rechtsextremen als Plattform für die Verbreitung ihres Gedankenguts missbraucht.

Angehörige der rechtsextremen Szene engagieren sich in unterschiedlichster Funktion im Sportverein und nehmen Einfluss. Rechtsextreme Cliquen vereinnahmen zumindest Teilbereiche einzelner Sportvereine.

Inhalte und Ziele des Projekts

„Sport mit Courage – gegen Rechtsextremismus“ ist ein Informations-, Aufklärungs- und damit Präventionsangebot des LandesSportBundes Niedersachsen. Sportbünde, Landesfachverbände und Sportvereine sollen nachhaltig in die Lage versetzt werden, Einflussnahmen durch Rechtsextremisten zu erkennen und Entwicklungen mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder antisemitischem Hintergrund vor Ort einschätzen zu können. Das Projekt soll dazu beitragen, dass ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherer im Umgang mit dem modernen Rechtsextremismus werden. Handlungsoptionen sollen aufgezeigt und gemeinsame Strategien zur Auseinandersetzung mit diesem Phänomen entwickelt werden.

Sport mit Courage fördert und unterstützt gezielt die Mitgliedsvereine und Gliederungen des LandesSportBundes in ihrem Engagement für Toleranz, Vielfalt und Demokratie.

Mehr Informationen

Der LandesSportBund Niedersachsen bietet auf seiner Website www.lsb-niedersachsen.de weitere Informationen zum Download:

www.lsb-niedersachsen.de/sport-mit-courage

Info-Flyer (LSB) als Download (PDF, 115 KB)